„This is not your fight. Do not confuse yourself with the person you are pretending to be.“
Bei der Bergung einer Sonde müssen Una, M’Benga und Uhura ungeplant auf einem von Klingonen besetzten Planeten landen. Spoiler!
I do love rules. And lists. And rules about lists.
Die Enterprise soll eine beschädigte Sonde bergen und reparieren. Doch da diese in klingonisches Territorium abgedriftet ist, muss Pike vorsichtig sein und schickt ein Shuttle mit Una, M’Benga und Uhura an Bord. Die Sonde ist schnell eingefangen und zur Enterprise gebeamt, doch als sich ein klingonisches Schiff nähert, ist es für die Crew sicherer, das Shuttle auf dem nahen Planeten Mat’Aar XII zu landen. Damit die Klingonen sie nicht entdecken, mischen sie sich unter die Einwohner, doch Una ist offenbar eine perfekte Doppelgängerin der Widerstandskämpferin Navette. Um nicht aufzufliegen, müssen sie vorerst mitspielen.
Klingonen in Schwarz-Weiß
Ihr könnt euch mein Urteil schon denken, oder? Eine Art Krimi, im Film-Noir-Stil, mit Klingonen! Man könnte meinen, die Autoren hätten sich abgesprochen, eine für mich persönlich maximal unattraktive Folge zu produzieren. Das größte Problem von „A Case of Chiaroscuro“ ist aber, dass die genannten Elemente nicht ausbalanciert sind. Der Plot wird der 1940er-Jahre-Optik untergeordnet, die wiederum keinen Mehrwert bietet und noch nicht mal kommentiert wird. Hinzu kommt ein absolut unnötiger B-Plot auf der Enterprise, der damit endet, dass schon wieder etwas unter den Teppich gekehrt wird.
Kor: „Your willingness to use fear as a means of control is inspired.“
Una: „Fear is the only effective way to lead.“
Kor: „Fate was cruel, not making you a Klingon.“
Optik vor Story
Ich glaube, was mich an „Star Trek: Strange new Worlds“ derzeit am meisten ärgert, ist die Entwicklung hin zur reinen Gimmick-Show. Ungeachtet dessen, dass dieses Konzept allenthalben auch wirklich gute Episoden hervorbringt, ist damit genau das passiert, was ich am Ende der vorigen Staffel befürchtet hatte. Dadurch, dass die Folgen bereits abgedreht waren, als die Kritik der Zuschauer eintrudelte, war kein Umschwenken mehr möglich und wir bekommen jetzt nur mehr vom gleichen. Wieso man überhaupt für eine fünfte Staffel als „Abschluss“ der Geschichte gekämpft hat, kann ich nicht nachvollziehen. Welche Geschichte?
„A Case of Chiaroscuro“ ist jedenfalls geradezu symptomatisch für diese Gimmick-Struktur. Es wäre problemlos möglich gewesen, die Besatzungsstory mit Una als unfreiwilliger Widerstandskämpferin ohne den Schwarz-Weiß-Filter zu erzählen. Es brauchte auch nicht den Art-Deco-Stil der 1940er-Jahre von der Erde, zumal dieser „Zufall“ wie gesagt nie erklärt (oder von den Protagonisten auch nur zur Kenntnis genommen) wird. Vielmehr erdrückt das Design der Folge den Plot geradezu, so dass die faschistischen Untertöne nicht politisch, sondern eher wie eine rein stilistische Entscheidung wirken.
Dünner Plot, aber Nummer Eins in Bestform
Ich bin nun freilich alles andere als eine Expertin, wenn es um Kriminal- oder Detektivgeschichten geht. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass der Noir-Aspekt an vielen Stellen verschleiern sollte, wie wenig man eigentlich zu sagen hat. Zumindest fand ich, dass sich Teile der Folge zäh wie Kaugummi zogen. Oder ging das nur mir so? Zudem ist schade, dass zu keinem Zeitpunkt die Frage thematisiert wird, ob sie überhaupt aktiv eingreifen dürfen (Erste Direktive und so).
Nichtsdestotrotz darf Una in dieser Folge natürlich glänzen. Rebecca Romijn hat die Ausstrahlung großer Hollywood-Diven und passt perfekt in das Setting. Aber es ist auch spannend zu sehen, wie die Figur und ihre Vergangenheit genutzt werden. Una musste sich von frühester Kindheit an verstellen, und das kommt ihr hier zugute, denn sie wechselt virtuos zwischen der Kollaborateurin, der Widerstandskämpferin und der Sternenflotten-Offizierin.
Ortegas: „You want to tell her what you had for lunch today, too?“
Scotty: „A Cuban sandwich. I love mustard.“
Parallel erzählt, aber ohne Relevanz
Die Nebenhandlung auf der Enterprise ist hingegen schlicht unnötig. Ich kann mir vorstellen, dass die Idee dahinter war, eine thematische Parallele zu ziehen: das Misstrauen unter den Bewohnern von Mat’Aar auf der einen Seite, La’ans Paranoia auf der anderen. Das ist ein beliebter Erzähltrick bei „Star Trek“, funktioniert hier aber nur bedingt, weil er die Haupthandlung lediglich spiegelt, aber weder beeinflusst noch einen anderen Blickwinkel bietet.
Darüber hinaus bin ich auch nicht ganz glücklich damit, wie sie den La’an-Plot handhaben. An und für sich könnte es durchaus spannend sein, ob und wie sich ihr genetisches Erbe auswirkt. Doch ihr einfach jede Folge irgendein Rätsel vor die Füße zu werfen, bei dem sie sich fragt, ob ihre Zweifel gerechtfertigt oder Einbildung sind, ist nicht, wie man eine Geschichte erzählt. Und keine Bange, wir vergessen das Thema schon nicht, wenn es mal eine Folge lang nicht angesprochen wird.
A Case of Notes
• „Chiaroscuro“ ist italienisch für „hell-dunkel“ und bezeichnet eine Kunsttechnik der Spätrenaissance und des Barock. Durch die extremen Kontraste sollen zweidimensionale Objekte und Figuren dreidimensional wirken, was schon irgendwie ironisch ist, denn die Folge ist ziemlich eindimensional.
• Das mit dem Schwarzweiß-Sehen durch „infrared blackbody spectra“ ist natürlich Blödsinn. Und ist es nicht außerdem ein Widerspruch, dass Una am Ende der Folge, noch im Shuttle sitzend, langsam wieder farbig sieht, wenn sich die Enterprise doch offenbar auch im Radius des Phänomens befindet?
• Jup, das ist tatsächlich derselbe Kor, der in der Originalserie und später auch bei „Deep Space Nine“ auftauchte. Neuer Darsteller freilich.
• Ortegas und Scotty sind als Freunde komplett wild, und ich liebe es. So was hat der Serie wirklich gefehlt.
• Sorry, wie kann Chapel die Sonde zur Krankenstation umgeleitet, den Datenträger entnommen, gelöscht und wieder eingesteckt haben, ohne dass jemandem aufgefallen ist, wie lange das Beamen dauert?
1 ½ von 5 farblosen Bananen zum Sandwich.