Star Trek: Strange new Worlds | Four-and-a-half Vulcans (3×08)

„We are not conspiring. We are … lightly plotting.“

Pike, La’an, Uhura und Chapel werden für eine Mission zu Vulkaniern – und können anschließend nicht zurückverwandelt werden. Spoiler!

It is technically logical

Die Enterprise soll einer Pre-Warp-Zivilisation helfen, die bislang nur Kontakt zu Vulkaniern hatte. Also nutzt Chapel das Serum, mit dem die Kerkhovians Spock wiederhergestellt haben, um sich selbst, Pike, Uhura und La’an in Vulkanier zu verwandeln. Die Mission ist schnell erledigt, doch die Verwandlung stellt sich als hartnäckiger heraus als erwartet, und so müssen sie zunächst Vulkanier bleiben, bis Chapel das Serum angepasst hat. Als das schließlich gelingt, haben die vier jedoch schon beschlossen, dass es viel logischer ist, Vulkanier zu bleiben.

Lustig, aber eigentlich auch echt gemein

„Four-and-a-half Vulcans“ stellt mich vor ein Dilemma. Denn ich fand die Folge schon echt spaßig und musste ein paar Mal sogar laut lachen, aber … das Drehbuch ist eigentlich katastrophal und das Ganze auch keine Satire mehr, sondern nachgerade fies. Was ist das nur, dass sich „Star Trek“ neuerdings so bemüßigt fühlt, die Vulkanier ständig runterzuputzen? Aber ja, zur Wahrheit gehört auch, dass das eine der Folgen ist, die ich in Zukunft sicher noch häufiger gucken werde.

„Turning back into humans would be illogical. We have chosen to remain Vulcans. Permanently.“

Toleranz gilt nur für andere

Was mich vielleicht am meisten schockiert hat, ist der offen präsentierte Rassismus in der Folge. Zwar nuschelt man so einen Halbsatz dahin, wonach das Serum auf Spocks gesamter Lebenserfahrung basiert, aber am Ende sind wir uns ja wohl einig, dass bei der Prozedur die DNS der vier Offiziere verändert wird. Kulturelle Eigenheiten, wie sie sie anschließend an den Tag legen, sind jedoch nicht genetisch übertragbar, sondern werden gewöhnlich erlernt.

Beim Zuschauer kommt an: Vulkanier sind von Natur aus eingebildete Arschlöcher, die auf alle anderen Spezies herabsehen. Und hey, vielleicht sind viele von ihnen tatsächlich eingebildete Arschlöcher, aber wenigstens lernen sie das Herabsehen von ihren Eltern und bekommen es nicht direkt in die Gene injiziert. Einfach alles daran ist verdreht und falsch, und bei allem Humor, darüber komme ich nicht hinweg.

Der Vulkanier führt, der Mensch unterwirft sich

Hinzu kommt, dass der Eindruck vermittelt wird, die Menschen selbst hielten sich für so minderwertig, dass sie lieber Vulkanier sind, wenn sich ihnen die Chance dazu bietet. Entweder das oder die Vulkanier-DNS ist derart aggressiv, dass sie den menschlichen Geist der vier gewissermaßen als Geisel nimmt. Ist es das? Will man uns das sagen? Warum sonst brauchen sie einen Katra-Experten, der quasi am Vulkanier vorbei mit dem Menschen redet, der bildlich in ihm gefangen ist? (Wenn auch in einem schönen Raum. Mit Walen.)

Überhaupt ist man so auf die Komödie in der Geschichte fokussiert, dass man die interessanteren Aspekte wortlos unter den Tisch fallen lässt. Warum zeigt man uns diese Gespräche nicht? Es wäre charakterlich sicher spannend gewesen, zu sehen, wie Pike, Uhura und Chapel mit ihrem inneren Ich konfrontiert werden. Wir bekommen das so halb bei La’an, aber wieso das zu einem Kampf führt, der nahtlos in einen heißen Tanz übergeht, habe ich nicht verstanden. (Nicht, das ich mich über das Tanzen beklage.)

Ich empfinde „Four-and-a-half Vulcans“ vor allem als verpasste Chance. Zugegeben, wir hatten schon Folgen, die sich mit dem Widerstreit zwischen Spocks menschlicher und vulkanischer Seite beschäftigten. Nichtsdestotrotz bietet das Drehbuch eine Steilvorlage und geht sogar so weit, mit Doug einen Vulkanier einzuführen, der von allem Menschlichen fasziniert ist. Meiner Meinung nach hätte das viel mehr in den Fokus gehört, auch als Kontrapunkt zu dem absoluten Nonsens, der uns ansonsten präsentiert wird.

„I had always considered myself an accomplished chef, yet it was not until I acquired my Vulcan palate that I fully understood the diabolical nature of salt.“

Vier Stereotypen

Ach ja, Nonsens, da war doch was. Dass ich den Plot der Folge derart auseinanderrupfe, schließt wie gesagt nicht aus, dass ich mich dabei köstlich amüsiert habe. (Das Schicksal eines ernsthaften Reviewers, der gleichzeitig glühender Serienfan und Trekkie ist.) Ich hatte meine helle Freude daran, unsere vier Helden als Vulkanier zu erleben. Okay, ja, bei Pike weniger, denn seine Darstellung war die reinste Karikatur. (Sein Intro im abgehackten Tonfall beim Vorspann war originell, aber letzten Endes erschöpft sich seine Darstellung damit auch schon. Wieso schreit der Mann so?)

Chapel entspricht noch am ehesten dem klassischen Vulkanier, der am liebsten nur forschen will und soziale Kontakte für unwichtig erachtet. Lustigerweise geht Uhura genau die andere Route und optimiert ihren sozialen Kontakt zu Beto, indem sie ihm im Wesentlichen das Gehirn wäscht. Fancy. Und dann ist da noch La’an, die aus Gründen, die ich nicht wirklich verstanden habe, romulanische Züge entwickelt. Es wäre spannend gewesen, das näher zu ergründen, aber an mehr als oberflächlicher Unterhaltung hat die Folge wie gesagt kein Interesse. Leider.

Love Island, Folge 216

Der Beziehungsstatus von Spock und La’an gibt mir auch weiterhin Rätsel auf. So ein Theater wegen einem Paar Socken in ihrer Schublade? (Und wie traurig war das bitteschön, als Spock einsam auf seinem Essen rumkaut, nachdem La’an ihn rüde weggeschickt hat.) Batel hat derweil genug von ihrem Hausfrauendasein, und wenn sie schon kein neues Kommando kriegt, so wird sie nun immerhin Pasalks Nachfolger am Gerichtshof. (Was immerhin die Hoffnung nährt, dass sie diese Staffel tatsächlich überlebt.)

Die Story um Una und Doug war ehrlich gesagt ein bisschen zum Fremdschämen. Nichts gegen die Darsteller, die verkaufen das gut, aber allein die Idee, dass Una jemandem derart verfällt, fühlt sich irgendwie … falsch an. Die kleine Scharade, wo sie versucht, Doug Spock als ihren Ehemann zu verkaufen (mit zwei Kindern!), war allerdings spektakulär. Ethan Peck hat grandioses Comedy-Timing, das muss man ihm neidlos zugestehen.

Four-and-a-half Notes

• Man sollte den Vorspann nicht immer so vorschnell überspringen: Der Jikaru aus „What is Starfleet?“ hat darin nun nämlich auch einen Platz gefunden.
• Ich musste so lachen, als sie die Mission innerhalb von zwei Minuten abschließen und die Folge damit eigentlich zu Ende hätte sein können. Apropos, die 42-Minuten-Rotation der Offiziere war eine Anspielung auf die klassische Folgenlänge im TV, oder?
• Herrgott noch mal, könnt ihr euch vielleicht mal originellere Gründe einfallen lassen, wieso Kirk permanent auf der Enterprise rumhängt?!
• „Chairs are inefficient.“ Vulkanier und Jem’Hadar sollten sich definitiv mal zusammensetz- äh, stellen.
• Die After-Credits-Szene.

3 ½ von 5 zufriedenstellenden Bananen. Ohne Bacon!

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