Star Trek: Strange new Worlds | Terrarium (3×09)

„Take a shuttle, they said. Fly through a gravity field. It’ll be fun, they said.“

Ortegas strandet auf einem verlassenen Planeten im Nirgendwo. Doch es stellt sich heraus, sie ist dort gar nicht allein. Spoiler!

You like pit-monster sushi, I don’t

Die Enterprise untersucht einige ungewöhnliche Gravitationswellen und schickt für bessere Sensordaten Erica Ortegas mit einem Shuttle hinein. Doch unvermittelt taucht ein Wurmloch vor ihr auf, dem sie nicht mehr ausweichen kann, bevor der Kontakt auch schon abbricht. Während die Crew versucht, sie zu erreichen, ohne zu wissen, ob sie überhaupt noch lebt, legt Ortegas eine Bruchlandung auf einem unwirtlichen Mond in unmittelbarer Nähe eines Gasriesen hin. Auf der Suche nach Nahrung findet sie heraus, dass sie nicht allein ist: ein abgestürzter Gorn scheint schon länger hier festzusitzen.

Camping mit Gorn

Okay, mal alle Kritik beiseite, die gerade erschallt, weil der Tropus schon tausendfach erzählt wurde: „Terrarium“ ist eine exzellente Folge. Sie ist fesselnd erzählt, sie stellt mit Ortegas einen bislang sträflich vernachlässigten Charakter in den Mittelpunkt, und sie wird dem humanistischen Ideal von „Star Trek“ gerecht, indem sie die Gorn endlich nicht mehr eindimensional als Monster zeigt. Für mich ein absolutes Highlight der Staffel.

„Look at us. Just a couple girls having a slumber party. We could braid each other’s hair. If you had any. Or if I had any … I can’t believe I’m joking with a Gorn.“

Konfliktarme Annäherung der Kulturen

Konzeptuell erinnerte mich die Folge stark an „4,722 Hours“ von „Agents of S.H.I.E.L.D.“, wo sich Jemma Simmons allein auf einem leblosen Planeten durchschlagen muss, bis sie unerwartet einen Verbündeten findet. (Übrigens eine meine Lieblingsfolgen der Serie.) „Terrarium“ startet mit einer ähnlichen Prämisse, und anfangs dachte ich sogar kurz, sie wollen die „Marsianer“-Route gehen und zeigen, wie sich Ortegas tatsächlich ganz allein am Leben erhält (und Kartoffeln züchtet).

Das eigentliche Vorbild ist natürlich der Sci-Fi-Klassiker „Enemy Mine“, der selbst wiederum schon mehrfach bei „Star Trek“ variiert wurde (am eindeutigsten wohl bei TNGs „Darmok“). Viele Kritikpunkte, die unweigerlich aufploppen, lassen sich mit der Kürze einer Serienfolge erklären. Es bleibt keine Zeit, das vorsichtige Herantasten der Beiden realistisch zu zeigen, und so bleibt der Konflikt natürlich schwach. Dabei hilft nicht, dass wir bestenfalls spekulieren können, wie viel Zeit eigentlich vergeht.

Abgesehen davon aber hakt die Folge alle wichtigen Punkte ab: das Teilen von Nahrung, gegenseitige Hilfe, das Etablieren einer primitiven Kommunikation. Vielleicht sogar ein bisschen zu sehr nach Drehbuch, das bleibt leider alles sehr oberflächlich und ohne echte Reibung zwischen den beiden. Ortegas überwindet ihr Trauma praktisch sofort, und ehe man sich’s versieht, spielen sie auch schon Schach. Das alles ist aber so flüssig erzählt, dass mir diese Gedanken erst hinterher kamen.

Pikes Crew macht, was sie will

Parallel dazu verfolgen wir auf der Enterprise die Rettungsbemühungen. Die Crux hier ist, dass sie nicht einmal wissen, ob Ortegas überhaupt noch lebt, weil sie den Kontakt zu ihr verlieren, als sie durchs Wurmloch fliegt. Gleichzeitig haben sie einen Termin, um einen dringend benötigten Impfstoff auszuliefern, was sie vor das alte Dilemma stellt, ob das Schicksal eines Crewmitglieds wirklich das Leben vieler tausend Zivilisten aufwiegt.

Ich gebe zu, ich hätte nicht erwartet, dass Uhura so weit geht, Zahlen zu fälschen, um Pike von ihrem Plan zu überzeugen. Andererseits durchschaut er das sowieso und setzt ihr Vorhaben trotzdem um, weil er nur jemanden brauchte, der ihm einen Grund liefert, weiterzusuchen. Aus militärischer Sicht ist das wie üblich äußerst fragwürdig, aber ich finde es auch irgendwie herzerwärmend, wie sehr diese Crew einander vertraut.

Die Enterprise als Türstopper im Wurmloch ist dann allerdings etwas albern, ich kann mir nicht vorstellen, dass das wirklich funktionieren würde. Und was die Rettung angeht … ich denke, wir wussten alle, dass der Gorn nicht überleben kann. Aber es ist schon mehr als bitter, dass er nicht einfach bei der Explosion stirbt, sondern grundlos erschossen wird. Es ist eine nachvollziehbare Reaktion von La’an, aber auch so, so traurig.

„Only Erica would be crazy enough to set a planet on fire to get our attention.“

Das Drama mit dem Kanon

Bleibt noch dieser angeklatschte Versuch, die Folge im allgemeinen Kanon der Serie zu verankern. Kurz: Es ist unnötig. Weder gewinnt die TOS-Folge „Arena“ dadurch etwas noch trägt es zum Kern der Story von „Terrarium“ bei. Es spielt schlicht keine Rolle, ob sie beobachtet werden oder nicht, ihr Überlebenskampf ist real. Zumal der Tod des Gorns deutlich macht, dass die Metrons nie die Absicht hatten, einzugreifen. Man könnte das weglassen und es würde nicht auffallen.

Tatsächlich schadet es sogar mehr als es nützt. Die Serie hat beim Thema Gorns ja schon einige merkwürdige Löcher in den Kanon gerissen. Da erschließt sich mir nicht, warum man erst antäuscht, die Löcher noch größer machen zu wollen, nur um dann einen partiellen Rückzieher zu machen, indem die Erinnerung an die Beteiligung der Metrons gelöscht wird. Entschuldigung, aber schreibt Ortegas keinen Bericht, in dem sie erklärt, dass der Gorn nett war und ihr geholfen hat? Und später weiß das dann plötzlich keiner mehr?

Observed Notes

• Kann es sein, dass Spock beim Thema Gewicht ein bisschen dünnhäutig ist? Wo kommt das denn plötzlich her?
• Ich lieb’s, dass Ortegas das rohe Essen fast wieder hochkommt. Auch wenn der Hunger groß ist, überwindet man das sicher nicht so leicht, das ist also nur realistisch.
• „Persönliches Logbuch des Captains: Heute durfte ich mal das Schiff fliegen … es war großartig. Und ich auch.“ 😆

4 ½ von 5 Sushi-Bananen.

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