Star Trek: Strange new Worlds | What is Starfleet? (3×07)

„Starfleet presents themselves as our quadrant’s shining example of duty, honor, peacekeeping. But what separates a Federation from an Empire?“

Beto Ortegas’ Dokumentation über die Sternenflotte startet mit Vorurteilen, entwickelt sich jedoch in eine unerwartete Richtung. Spoiler!

I think I can confidently say that that’s classified

Ist die Sternenflotte die diplomatische Organisation zur Erforschung des Weltalls, als die sie sich nach außen präsentiert, oder in Wirklichkeit imperialistischer Kriegstreiber? Mit dieser fundamentalen Frage beschäftigt sich die Dokumentation von Umberto „Beto“ Ortegas. Wir verfolgen darin eine Mission der Enterprise, die ein Jikaru zum Planeten Lutani VII geleiten soll. Lutani und der Nachbarplanet Kasar führen einen erbitterten Krieg, den Lutani zu verlieren droht. Die Jikaru sind angeblich Nutzvieh, doch während der Mission wird der Crew klar, dass es sich dabei um intelligente Wesen handelt, die als Kriegswaffe missbraucht werden.

Das Format taugt nicht für die Story

„What is Starfleet?“ ist mit nicht einmal 40 Minuten die kürzeste Folge der Staffel, fühlt sich aber wesentlich länger an. Und nein, das ist kein Lob. Die eigentliche Geschichte ist nicht uninteressant, durch die chaotische Präsentation als Dokumentation habe ich aber fast die Hälfte der Folge gebraucht, um überhaupt zu verstehen, worum es geht. So sehr ich es auch zu schätzen weiß, dass man sich bei „Star Trek: Strange new Worlds“ traut, Dinge auszuprobieren, das Doku-Konzept funktioniert für mich leider gar nicht. Es sorgt nur für Unruhe und eine Distanz, die die emotionale Handlung nicht verdient hat.

„We have our orders, Ensign. We don’t have to like them, but we do have to obey them.“

Eine Therapie hätte Beto mehr gebracht

Es lohnt, sich für einen Moment von der erzählten Geschichte freizumachen und die sogenannte Dokumentation einmal auch als solche zu betrachten. Formal gesehen ist sie die reinste Katastrophe. Dass Beto mit einem persönlichen Ansatz an die Sache herangeht, ist dabei nicht das Problem, das machen viele Dokumentarfilmer. Aber er hat dazu auch eine vorgefertigte Meinung, die er mit dem gefilmten Material lediglich untermauern will.

Ihm geht es nicht um eine kritische Auseinandersetzung, um das Für und Wider, kurz um eine objektive Präsentation von Fakten. Das eigentlich Aberwitzige aber ist, dass er seine Meinung mitten in seinem Film ändert. Was wir hier sehen, ist also entweder eine wirklich grottenschlechte Dokumentation oder ein Rohschnitt. Gegen letzteres spricht allerdings die allgemeine Aufmachung und auch die Art und Weise, wie uns das Ganze präsentiert wird.

Es fällt nicht sofort auf, weil es parallel dazu eben eine richtige Handlung gibt, aber die Dokumentation selbst folgt keiner Dramaturgie. Es ist ein wahlloser Zusammenschnitt der Mission (wohlgemerkt nur einer, obwohl Beto mindestens auch bei „Through the Lens of Time“ gefilmt hat) und reichlich suggestiver Interviews. Und am Ende geht die Sache nahtlos in schamlose Propaganda für die Sternenflotte über.

Der Erzählung fehlt Emotion

Mit dieser Erzählweise weicht „What is Starfleet?“ natürlich davon ab, wie die Handlung einer Folge typischerweise aufgebaut ist. Dagegen bin ich nicht grundsätzlich, viele andere Serien haben das Stilmittel in der Vergangenheit schon erfolgreich genutzt, von „Babylon 5“ bis „Battlestar Galactica“. Im Grunde reißt man uns die rosarote Brille von der Nase, weil wir das Geschehen einmal aus der Perspektive des Unbeteiligten betrachten und uns das Innenleben der Figuren verschlossen bleibt.

Aber womöglich wäre eine weniger emotionsgeladene Geschichte dafür besser geeignet gewesen. Ja, man hat als Aufhänger den Konflikt zweier Welten, in den sich die Sternenflotte einmischt – das ist ein Zugeständnis an Betos Ausgangsfrage. Aber für mich als Zuschauer bleibt das Geschehen dadurch sehr flach und distanziert, und das mag im Sinne der Dokumentation funktionieren, aber eben nicht als spannende Folge. Wie schon gesagt, trotz der Kürze war ich streckenweise echt gelangweilt.

„Someone once said space is dark and cold and full of death. Our job is to bring light, bring warmth, bring life to wherever we go. That’s our mission.“

Eine klare Antwort bleibt uns die Folge schuldig

Was genau bei dieser Mission vor sich geht, kriegen wir leider nur sehr bruchstückhaft mit. Durch Betos Voreingenommenheit steht der militärische Aspekt und damit einhergehend die Notwendigkeit, Befehle zu befolgen, im Vordergrund. Wie genau diese Befehle lauten, erfahren wir dabei nicht einmal, vor allem aber bleibt uns verschlossen, in welchem Ausmaß die Sternenflotte in den Konflikt der beiden Welten überhaupt involviert ist.

Der Tonfall verschiebt sich, als sie herausfinden, dass der Jikaru ein empfindungsfähiges Wesen ist, das mehr oder weniger genetisch missbraucht wird. Es fehlt jedoch die emotionale Wirkung, die diese Entdeckung normalerweise auslösen würde – das humanistische Ideal, das „Star Trek“ im Kern ausmacht. Die Story wird somit zwar schnörkellos aufgelöst, verfehlt allerdings mein Herz auch um mehrere Meter.

Ganz abgesehen davon vergisst man darüber auch die eingangs versprochene kritische Auseinandersetzung mit der Sternenflotte. Hauptsache das Tier wurde „gerettet“, uns doch egal, wenn sich da zwei Völker gegenseitig die Köpfe einschlagen. Und weil sich die Crew der Enterprise nach Feierabend zum gemeinsamen Essen trifft, muss die Sternenflotte gut sein? Der Logik kann ich beim besten Willen nicht folgen.

What are Notes?

• Fun Fact: Mit nicht mal einer halben DIN A4 Seite habe ich zu dieser Folge die wenigsten Notizen aller Zeiten gemacht. Ich war ehrlich gesagt beim Schauen zu perplex.
• Wie schon bei „A Space Adventure Hour“ wird hier auf den üblichen Vorspann verzichtet. Stattdessen starten wir kalt mit dem Dokumentarfilm.
• Interessanterweise ist Ortegas die Einzige, die sich für ihr Interview nicht hinsetzt. Sie ist die ganze Zeit beschäftigt. Dadurch wirken ihre Aussagen aber auch unmittelbarer und ehrlicher.
• Wenn man bedenkt, wie begeistert Pelia davon war, ihr schauspielerisches Talent vor der Kamera zu zeigen, ist es schon bitter, dass sie im endgültigen Film dann gar nicht vorkommt.

1 ½ von 5 Bananen, die nur Befehlen folgen.

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