Im Schnelldurchlauf | Serien im November

„Wer sind wir? Sind wir die Geschichten, die wir uns selbst erzählen?“
(„Legion“)

Zwei Enttäuschungen, zwei Überraschungen und eine Wiederholung. Mehr dazu wie immer in meinem Schnelldurchlauf. Spoiler!

American Horror Story (Staffel 11)

New York City im Jahr 1981. Ein Mörder, der bevorzugt schwule Männer tötet und zerstückelt, treibt sein Unwesen, ohne dass es die Polizei sonderlich kümmert. Gino, Reporter einer Schwulen-Zeitung, will das Thema auf die Titelseite bringen, und macht seinem Lebensgefährten Patrick Druck. Der ist Polizist, unter den Kollegen aber noch nicht geoutet, und will lieber privat ermitteln. Zumal er selbst nicht so unschuldig ist, wie er tut. Zur selben Zeit breitet sich eine merkwürdige Krankheit aus, die viel zu lange ignoriert wird, bis immer mehr Männer einfach verschwinden.

Ich bin mir gerade nicht sicher, ob ich wirklich zehn Folgen „American Horror Story“ geschaut habe, oder ob es sich hierbei um die (bislang unbekannte) Schwesterserie „American Gay Story“ handelt. Vom Bodyhorror abgesehen geht „NYC“ nämlich jeglicher Grusel ab und zeichnet eher ein Sittenbild der Schwulenszene der 1980er – etwas, was mich ehrlicherweise nur marginal interessiert, selbst wenn das Thema AIDS wichtig ist. Hinzu kommt, dass auch nur ein Bruchteil der üblichen Darsteller und ansonsten viele neue Gesichter dabei waren, wodurch sich das nicht mehr wie ein Teil der Anthologie anfühlt.

1 von 5 maskierten Bananen als Metapher für AIDS.

What we do in the Shadows (Staffel 3)

Ein Monat ist seit dem Massaker im „Nouveau Théâtre des Vampires“ vergangen und Guillermo seither im Keller eingesperrt. Was die Vampire nicht wissen: Er verlässt tagsüber seine Zelle, um weiterhin den Haushalt zu führen. Da Guillermo sämtliche Mitglieder des lokalen Vampirrats abgeschlachtet hat, werden Nandor, Laszlo, Nadja und Colin befördert. Doch Nandor ist unglücklich und schließt sich einer Sekte an, die ihn angeblich wieder zu einem Mensch machen kann. Das erfordert harte Maßnahmen seitens seiner Mitbewohner. Und dann steht auch noch ein feierlicher Anlass an: Colins 100. Geburtstag.

Ich weiß nicht genau, was los war, aber ich bin mit dieser Staffel überhaupt nicht warm geworden. Klar, die Geschichten stehen immer ein bisschen für sich, aber wenn eine Folge damit endet, dass sich die Vier um den Thron streiten, in der nächsten dann aber schon nur noch Nandor und Nadja überhaupt beim Rat anwesend sind, ist das schon verwirrend. Abgesehen davon fand ich einige Ideen auch nicht sonderlich originell, während andere, wie zum Beispiel Nandors Depression, für billige Lacher missbraucht wurden. Erst die Entwicklungen im Finale machen wieder Lust auf mehr.

2 ½ von 5 Bananen im Supertiefschlaf.

„I don‘t need to provide amusement or enjoyment. I don‘t need to receive any amusement or enjoyment. I‘m completely fine with that. Because no amount of good is worth how terrible this feels. It‘s just a complete waste of fuckin‘ time.“
(„The Bear“)

The Bear: King of the Kitchen (Staffel 2)

Nachdem Michaels Geld aufgetaucht ist, will Carmy das Restaurant komplett neu aufziehen. Doch die Renovierungsarbeiten sind nicht nur teuer, sie brauchen auch viel zu lange, zumal immer wieder unerwartete Probleme auftauchen. Sydney möchte Tina zum neuen Sous Chef machen und schickt sie dafür zur Weiterbildung auf die Kochschule. Auch Marcus möchte dazulernen und fliegt nach Kopenhagen, um ein Praktikum zu machen. Sydney kommen derweil Zweifel, ob sie sich auf Carmy wirklich verlassen kann. Der ist nämlich zunehmend von seiner neuen Freundin Claire abgelenkt.

Die entscheidende Frage ist: Mochte man die erste Staffel, weil sie laut und hektisch war, oder weil einen das Leben der Protagonisten interessiert? Für alle, bei denen letzteres zutrifft, stellt die zweite Staffel „The Bear“ zweifellos eine Offenbarung dar. Das Tempo wird schlagartig und radikal rausgenommen. Stattdessen fokussiert sich die Serie ganz auf die Charaktere und ihre Geschichten; jede Folge stellt jemand anderen in den Mittelpunkt, ohne jedoch die Rahmenhandlung um die Restaurant-Eröffnung aus den Augen zu verlieren. Ganz ehrlich? Vielleicht die beste Serie des Jahres.

5 von 5 Bananen, Chef!

Legion (Staffel 1)

Von klein auf hört David Haller Stimmen und sieht Dinge, die nicht da sind. Mit der Diagnose Schizophrenie wandert er von einer Klinik zur anderen. Hoffnung schöpft er erst, als er Syd kennenlernt, die zwar nicht berührt werden, aber trotzdem gerne seine Freundin sein will. Sie organisiert eine Rettungsaktion, die ihn zu Leuten führt, die behaupten, dass er mitnichten krank ist, sondern der vielleicht mächtigste Mutant, der je gelebt hat. Doch bevor er seine Kräfte nutzen kann, muss er seine lebenslange Krankengeschichte hinter sich lassen. Und seine mit Lügen durchsetzten Erinnerungen.

Hätte ich nicht im Vorfeld gewusst, dass es sich hier um eine Marvel-Serie handelt, ich wäre im Leben nicht drauf gekommen. „Legion“ ist surreal, suggestiv und in einer ganz eigenen Bildsprache erzählt, der nicht immer leicht zu folgen ist. Davids vermeintliche Schizophrenie wird ebenso als Stilmittel genutzt wie unerwartete Tanzeinlagen oder Stummfilmszenen. Darauf muss man sich einlassen können, dann entwickelt „Legion“ einen wahnsinnigen Sog. Dan Stevens kannte ich bislang übrigens nur aus „Downton Abbey“ so wirklich, und Mann, war der da krass unterfordert!

4 von 5 Bananen, die nicht wissen, was real ist.

„Jeder hier drin sagt, ich sei geistig völlig gesund. Aber was, wenn sie sich irren?“
(„Legion“)

Les Revenants (Staffel 1)

Eines Tages tauchen in einem französischen Dorf verstorbene Menschen plötzlich wieder auf, können sich aber nicht daran erinnern, gestorben zu sein. Einige kehren noch mitten im Trauerprozess ihrer Angehörigen zurück, andere finden ein Leben vor, das ohne sie weitergegangen ist. Gemeinsam ist ihnen nur, dass keiner von ihnen eines natürlichen Todes gestorben ist – ob Busunfall, Suizid oder Mord. Und noch etwas ist seltsam: Offenbar ist niemand mehr in der Lage, das Dorf zu verlassen. Währenddessen macht sich eine ganze Horde von Rückkehrern auf den Weg zu den Lebenden.

Ich habe die erste Staffel der Serie damals im Fernsehen gesehen und erinnerte mich noch gut an den düster melancholischen Soundtrack von Mogwai. Doch wie das vor dem Streaming-Zeitalter eben so lief, habe ich niemals die zweite Staffel gesehen. Jetzt habe ich einen erneuten Anlauf gewagt und bin ein wenig hin und her gerissen. Die Erzählung ist schon sehr ruhig, das hat Charme, führt aber auch zu einigen Längen. Außerdem verschwinden Plotpunkte, die erst total wichtig scheinen, später einfach, das ist etwas ärgerlich. Aber doch, eine faszinierende Alternative zu „The Walking Dead“.

3 von 5 Bananen, die nicht schlafen können.