ZSSD/Interim | Review: The Mandalorian – Zu zweit ist man weniger allein

„When one chooses to walk the Way of the Mandalore, you are both hunter and prey.“

Eine Spoilerwarnung vorweg: Ich werde auf einige allgemeine Dinge der ersten beiden Staffeln The Mandalorian eingehen, aber weder das Ende noch größere Storytwists verraten. Wer gar nichts über die Serie bei Disney+ wissen will – nun, der sollte generell keine Reviews dazu lesen. 😉

Worum geht es?

Fünf Jahre nach „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ und dem Untergang des Imperiums verdient sich der titelgebende Mandalorianer, von Weggefährten praktischerweise zu „Mando“ abgekürzt, als eigenbrötlerischer Kopfgeldjäger seine Brötchen mit dem Auffinden und Einfangen von Flüchtigen. Daher argwöhnt er nichts, als er von einem schmierigen Imperialen (die nach dem Sieg der Jedi nicht mehr ganz so offen auftreten) den Auftrag bekommt, einen solchen aufzuspüren und unverletzt zurückzubringen – gegen eine unverhältnismäßig großzügige Entlohnung.
Nach einer kurzen Suche und einem Schusswechsel in bester Western-Manier stellt sich jedoch heraus, dass das Zielobjekt trotz der angegebenen 50 Jahre keineswegs ein Erwachsener, sondern ein Kleinkind ist – eines von der Rasse, dem der allseits bekannte und inzwischen verstorbene Meister Yoda angehörte.
Irritiert, aber dennoch bereit, den Auftrag auszuführen, bringt „Mando“ den Kleinen seinem Auftraggeber zurück, wobei er jedoch schnell merkt, dass dieser nichts Gutes im Schilde führt. (Anmerkung der Zuschauerin: D’uh, Blitzmerker.) Der knuddelige grüne Kerl hat sich auf der Rückreise jedoch bereits in das Herz des einsilbigen Mandalorianers geschmuggelt, und so bricht dieser den Kodex seiner Kopfgeldjägergilde und setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um sich das Baby zurückzuholen. Fortan werden die beiden gleichermaßen von Imperialen wie von erbosten Kopfgeldjägern gejagt. Ihr Schiff geht des Öfteren zu Bruch, und „Mando“ muss sich mit weiteren Aufträgen Geld verdienen, um es wieder zu reparieren und weiter fliehen zu können.
Im Grunde nimmt das den Großteil der beiden Staffeln, die auf Disney+ erschienen sind, in Anspruch.
Natürlich ist „Mando“ schnell klar, dass es so nicht ewig weitergehen kann. Zudem stellt sich schnell heraus, dass das Baby über gewisse „magische Fähigkeiten“ verfügt – und dem einschlägig informierten Zuschauer ist bekannt, worum es sich dabei handelt. Wie sein Rasseverwandter Yoda hat auch das Kind die Macht. „Mando“ begreift, dass nur weitere Jedi dem Kleinen genug Schutz und Ausbildung zukommen lassen können, und macht sich, zunächst widerwillig, auf die Suche nach seinen eigentlichen Erzfeinden.

„You expect me to search the galaxy for the home of this creature and deliver it to a race of enemy sorcerers?“

Wie ist es?

Beim Titelhelden hat Disney für mein Empfinden alles richtig gemacht.
Er ist schweigsam und zurückgezogen – ohne eine obercoole oder gar arrogante „Rühr mich nicht an“-Attitüde an den Tag zu legen. Bei älteren und weiseren Kreaturen ist er sogar regelrecht höflich und respektvoll.
Er verfügt über keine übermenschlichen Kräfte oder ist ein Auserwählter – dass er gut kämpfen kann, liegt in der Natur der Sache, und er hat sich einen beinahe legendären Ruf erarbeitet, aber darüber hinaus weiß er genau, wann er sich Hilfe suchen muss, weil er gewissen Situationen einfach nicht allein gewachsen ist.
Er ist seinem martialisch gerüsteten Aufzug zum Trotz ein sehr sanfter Charakter, und auch ohne sein Gesicht zu zeigen, transportiert die Stimme und die Körpersprache einen introvertierten, reflektierenden Geist.
Er ist ein Held wider Willen, der sich nur zögerlich dem kleinen Reisegefährten öffnet, den er da gerettet hat. Aber da er nun für ihn verantwortlich ist, verteidigt er ihn auch mit Nachdruck. Zuerst rein aus Prinzip, später auch aus wachsender „Vater“liebe und Zuneigung zu dem kleinen grünen Kerl.
Disney vollführt das Kunststück, einen Helden, dessen Gesicht man zunächst nicht ein einziges Mal sieht (Vorschrift seines Mandalorianer-Kredos: Kein lebendiges Wesen darf sein Gesicht sehen, seit er sich das erste Mal als Junge den Helm aufgesetzt und gelobt hat, dieses Kredo zu ehren), und dessen Namen man erst einmal nicht erfährt, einen sehr persönlichen Touch zu verleihen. Durch Sprechpausen, Tonfall und Körpersprache bekommt er genug Charakter, dass er einem ans Herz wächst. Und die zuckersüße Beziehung zum Kind tut sein Übriges.
Wenn dieses zum Beispiel Gefallen am runden, chromglänzenden Knauf des Raumschiff-Steuerhebels gefunden hat und sogar die Macht einsetzt, um ihn möglichst unauffällig zu sich zu ziehen, dann hat man vollstes Verständnis für den unfreiwilligen „Vater“, der ihm die Kugel schließlich seufzend abschraubt und zum Spielen in die kleinen, grünen Hände gibt.

Die Abwechslung zwischen der Darstellung der wachsenden Bindung zwischen den Beiden und den actiongeladenen Kämpfen hat es für mich zu einer der besten Auswüchse des Star Wars-Franchises gemacht. Mit dem ich, wie vermutlich inzwischen bekannt ist – nicht generell viel anfangen kann.
Vielleicht ist es der Mangel an Jedi, die ich immer als etwas selbstgerecht empfunden habe, und an eindimensional böse portraitierten Sith-Lords und Imperialen, der die Serie für mich so gut macht. (Natürlich kommen beide vor, wie sollte es auch anders sein, aber sie sind eben nur Randfiguren und Triebfedern für die allgemeine Motivation der Haupthelden.)
Für Fans von Star Wars dürfte der Auftritt der ein oder anderen bekannten Gestalt aus dem Star Wars-Kanon zudem reizvoll sein.

Was kommt danach?

Ich habe The Mandalorian sehr genossen und bin gespannt, ob die Geschichte von „Mando“ und dem Kind fortgesetzt wird. Für den Winter 2021 gibt es erst einmal ein Spin-Off mit Boba Fett; und es ist noch nicht bekannt, ob er in Zukunft der titelgebende Mandalorianer der Serie sein wird, oder ob „Mando“ zurückkehrt. Ich würde mich sehr freuen, denn die Dynamik zwischen dem kleinen, grünen Mini-Jedi und dem einsilbigen Mandalorianer – per definitionem Erzfeinde, und doch Vater und Sohn im Geiste – ist einfach zu gut, um sie nicht noch weiter zu beleuchten.