Doctor Who | Twice upon a Time (10×13 / Christmas Special 2017)

Der Doctor will nicht regenerieren und trifft seine erste Inkarnation, die sich gerade mit genau den gleichen Zweifeln herumschlägt. Spoiler!

I died a few hours ago, then I refused to regenerate
Nachdem der Doctor entschieden hat, dass er nicht regenerieren möchte, verschlägt es ihn in die Antarktis, wo er seinem ursprünglichen Ich begegnet, der ebenfalls mit seiner bevorstehenden Regeneration hadert. Ihr Aufeinandertreffen führt dazu, dass ein britischer Soldat aus dem Ersten Weltkrieg quasi aus der Zeit fällt, was „Testimony“ auf den Plan ruft, die die Erinnerungen von Leuten sammeln, kurz bevor diese sterben. Im Tausch gegen den Soldaten bieten sie dem Doctor Bill an, doch er glaubt, dass sie nur eine Täuschung ist.

Kurzweilig und irrelevant
Nun ja. Wer meine Kritiken der letzten Staffel verfolgt hat, weiß bereits, dass ich innerlich so ein bisschen mit „Doctor Who“ abgeschlossen habe. Obwohl die Serie nicht schlecht im eigentlichen Sinne ist, hat sie in meinen Augen ihre Relevanz verloren – vor allem, wenn man sie mit anderen unfassbar starken Produktionen der letzten Jahre vergleicht. Und „Twice upon a Time“ ist dafür irgendwie symptomatisch, denn die Folge ist okay. Nicht mehr und nicht weniger. Ihr fehlt es an philosophischer Tiefe, an erzählerischer Originalität und an Aussagekraft. Mehr als kurzweilige Unterhaltung sollte man offenbar nicht mehr erwarten.

Keine Verklärung des Vergangenen?
Wie so oft, bin ich auch hier wieder in der misslichen Lage, einzelne Aspekte nicht richtig einschätzen zu können, da mir das Vorwissen aus alten Folgen fehlt. Zwar kamen auch mir einige der Sprüche des Ersten Doctors reichlich altbacken vor, aber wie stark übertrieben wurde, kann ich angesichts etlicher kritischer Stimmen im Fandom dennoch nur vermuten. Ob hier allein auf Humor gespielt wurde oder tatsächlich auf dem Rücken von Vergangenem das Aktuelle als besonders liberal herausgestellt werden sollte, bleibt spekulativ. Aber auch das ist etwas, was ich „Doctor Who“ übel nehme: dieser unbedingte Drang zu politischer Korrektheit.

„To be fair, they cut out all the jokes.“

 

Eine Charakterfolge ohne Charakter
Für ein Charakterstück fehlt es „Twice upon a Time“ merklich an Charakter. Wenn man schon eine Folge über die Angst vor Veränderung macht und den Doctor damit hadern lässt, ob sein Leben nicht besser ein Ende fände, dann sollte man wenigstens auch so mutig sein, das zu thematisieren anstatt es (mal wieder) durch Allgemeinplätze zu verwässern. „Testimony“ ist wieder nur ein anderer Name für das altbekannte Schema, dass im „Doctor Who“-Universum niemand je wirklich stirbt. Und als wäre es nicht schon genug gewesen, dass Bill in „The Doctor falls“ durch Heather gerettet wird und eine Art zweites Leben erhält, wird sie nun noch ein zweites Mal gerettet, indem ihre Erinnerung genutzt werden kann, eine Kopie von ihr zu erschaffen. Happyend! Was mit dem Doctor eigentlich los ist und wieso dieser Bohei seine Meinung über die Regeneration ändert, kann ich nach dieser Stunde nur vermuten.

Twice upon a Note
Die verbalen Auseinandersetzungen zwischen dem Ersten und dem Zwölften Doctor immerhin machen Freude, zum Beispiel, wenn sie darüber streiten, wer von ihnen beiden jünger ist, oder sich der Erste Doctor über die stimmungsvolle Beleuchtung in der TARDIS lustig macht.
Den Dalek Rusty kennen wir übrigens aus „Into the Dalek“.
Des Doctors Ratlosigkeit, als sich herausstellt, dass „Testimony“ nicht böse ist, war großartig.
Claras Rückkehr war irgendwie überflüssig.
Und die neue Doctor fällt direkt mal aus der TARDIS – was für ein Einstand!

2 ½ von 5 Bananen aus Glas.

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