Im Schnelldurchlauf | Serien im Oktober

Einer Studie zufolge sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Serie noch geschaut wird, je länger sie in der Watchlist ist. Mein Gegenbeweis ist “Mindhunter”, das gefühlt zwei Jahre rumlag, bevor ich’s nun endlich mal gewagt habe. Es gibt aber auch immer so viel Neues zu gucken … Spoiler!

Living with yourself (Staffel 1)

Miles Elliot ist unglücklich. Mit seinem Job, seiner Ehe, seinem Leben. Auf Anraten eines Kollegen besucht er ein Spa, in dem man ihm verspricht, dass er durch die Behandlung ein völlig neuer Mensch wird. Bald darauf erwacht er in einer Plastiktüte, die im Wald vergraben wurde, und trifft zu Hause auf seinen Klon.

Was wie die Einleitung zu einer fluffigen Komödie klingt, entwickelt sich innerhalb kürzester Zeit zum subtilen Psychohorror. Denn mit dem alten und dem neuen Miles konkurrieren zwei Menschen um ein und dasselbe Leben. Die große Stärke von „Living with yourself“: Das Drama entwickelt sich langsam und mit trügerischer Ruhe. Vieles bleibt unausgesprochen und entfaltet seine Wirkung erst im Kopf des Zuschauers. Das versöhnliche Ende ist verzeihbar, eine zweite Staffel wäre es in meinen Augen nicht.

4 ½ von 5 Bananen in einer Plastiktüte.

Mindhunter (Staffel 1)

Die FBI-Agenten Holden Ford und Bill Tench beginnen im Jahr 1977 damit, Gewaltverbrecher zu interviewen. Ziel der Verhaltensforscher, die sich schon bald Unterstützung durch die Psychologin Dr. Wendy Carr holen, ist es, zu verstehen, was Serienmörder zu ihren Taten treibt. Doch das bleibt nicht ohne Folgen für die Ermittler, die in die Untiefen des menschlichen Geistes eintauchen und sich der Faszination von Männern wie Edmund Kemper oder Richard Speck nicht gänzlich entziehen können.

„Mindhunter“ stand lange auf meiner Liste und wurde mir zwischenzeitlich immer wieder von Freunden empfohlen. Als bekennender Krimimuffel schob ich die Serie vor mir – völlig zu Unrecht, wie sich jetzt herausstellt. Denn „Mindhunter“ erzählt von den Anfängen des Profilings und liefert damit eigentlich erst die Grundlage vieler heutiger Krimis. Plumpe Effekthascherei sucht man hier vergebens, stattdessen ist die Serie bis ins letzte Detail durchkomponiert. Ein Meisterwerk, in dem jedes Bild Bedeutung hat und einzelne Worte oft mehr sagen als ganze Dialoge. Die ersten zwei Folgen ziehen sich etwas, danach allerdings klebte ich geradezu am Bildschirm.

5 von 5 verhaltensgestörten Bananen.

The Kominsky Method (Staffel 2)

Sandy Kominsky fällt aus allen Wolken, als ihm Tochter Mindy eröffnet, dass sie eine Beziehung mit einem Mann in seinem Alter hat. Doch er und Martin verstehen sich überraschend gut – sehr zu Mindys Leidwesen. Derweil trifft Norman bei einer Beerdigung seine alte Jugendliebe Madelyn wieder und belebt die Beziehung neu. Als Martin einen Herzinfarkt hat, bekommt es Sandy mit der Angst zu tun und lässt sich komplett durchchecken. Den diagnostizierten Lungenkrebs verschweigt er Mindy allerdings.

Auch in der zweiten Staffel bleibt sich „The Kominsky Method“ treu und begeistert mit leisem Alltagshumor. Besonderen Spaß macht die Freundschaft zwischen Sandy und Martin, während sich Mindy nun gleich zweifach Sorgen machen muss. Was von der Wendung mit Sandys Krebs zu halten ist, weiß ich indes nicht recht, zumal einige seiner Scherze über die Krankheit schon ein bisschen herb sind. Schade ist, dass die Staffeln so kurz sind, denn hier warten noch einige Geschichten!

4 von 5 Bananen, die high sind.

Atypical (Staffel 3)

Durch den Wechsel ans College steht die Welt von Autist Sam einmal mehr Kopf. Er hat nicht nur mit dem Lehrstoff und den Anforderungen der Lehrer zu kämpfen, sondern auch Schwierigkeiten, Anschluss zu finden. Und ausgerechnet jetzt lernt Zahid Gretchen kennen, die ihn völlig vereinnahmt. Sams Schwester Casey fühlt sich derweil zu Freundin Izzy hingezogen, möchte aber keinesfalls Evan verletzen. Sams und Caseys Eltern erwägen unterdessen die endgültige Trennung.

Wie schon in den vorherigen Staffeln hebt sich „Atypical“ auch weiterhin angenehm von vielen anderen Serien ab, die sich mit dem Erwachsenwerden beschäftigen. Besonders bemerkenswert: Zwar liegt der Schwerpunkt auf Sams Problemen am College, dennoch wird nicht unterschlagen, dass auch „neurotypische“ Menschen an der Herausforderung scheitern können. (Paige finde ich oft nervig, aber in dem Punkt war sie mir sehr, sehr sympathisch.) Abzug gibt’s leider für das endlose Hin und Her von Elsa und Doug.

Veronica Mars (Staffel 4)

Es ist Spring Break in Neptune. Während die Lokalpolitiker dagegen wettern, fürchten die Bar- und Motelbesitzer, dass ihnen ihre Haupteinnahmequelle genommen werden soll. Dann explodiert eine Bombe und tötet vier Menschen. Das lässt einen Streit um einen verlorenen Ring eskalieren, ruft zwei mexikanische Gangster auf den Plan und führt Veronica Mars und ihren Vater Keith mit Matty zusammen, der Tochter eines der Toten, die den Fall zur Not auch selbst aufklären will. Doch es soll nicht die letzte Explosion gewesen sein, die Neptune erschüttert …

„Veronica Mars“ war eine der ersten Serien, die ich in all ihren Facetten geliebt habe. Und der vierten Staffel gelingt ein echtes Kunststück: Sie setzt organisch da an, wo die Serie vor zehn Jahren aufgehört hat und denkt das Universum weiter, schafft es aber gleichzeitig, einen völlig neuen Stil zu entwickeln. Obwohl ich als bekennender Krimimuffel nicht jeder Wendung der Story folgen konnte, war ich acht Folgen lang gefesselt und wollte mehr über die alten und neuen Figuren wissen. Das Ende allerdings können die nicht ernst meinen! Dafür gibt’s Punktabzug.

3 ½ von 5 explodierten Bananen.