The Handmaid’s Tale | Under his Eye (3×07)

„She didn’t surrender anything! June gave Nichole to me! She wanted her baby out of that sick, twisted place, you fuck!“

June versucht Hannah zu sehen und benutzt dafür Lawrences Frau Eleanor. Spoiler!

I’m gonna bring Nichole back, Serena

Während Fred und Serena in Washington D.C. bleiben und offenbar Fortschritte bei den Verhandlungen mit Kanada machen, kehrt June zu den Lawrences zurück. Von der Martha der Mackenzies erfährt sie, wann es eine Möglichkeit geben könnte, Hannah in ihrer Schule zu besuchen. June spannt daraufhin Eleanor ein, die ihr zwar gerne helfen möchte, der Sache aber psychisch nicht gewachsen ist. In Kanada wird Emily derweil von den Schweizern zu ihren Verbrechen in Gilead befragt.

Die Serie dreht sich im Kreis

Ich sage das sicherlich nicht oft über „The Handmaid’s Tale“, aber diese Folge war in Essenz überflüssig und könnte ein Zeichen dafür sein, dass die Serie nur unnötig in die Länge gezogen wird. Eine dritte Staffel war immer ein Risiko, doch bisher sah es so immerhin aus, als wüssten die Autoren, wohin sie damit wollen. „Under his Eye“ scheint sich indes im Kreis zu drehen und bringt die Story in keiner Weise voran.

June: „What did you do?“
Ofmatthew: „I saw you at Loaves and Fishes talking to that Martha. Aunt Lydia told me to watch you. To try and protect you.“
June: „What did you say to her?“
Ofmatthew: „I saved you. We saved you.“
June: „You saved me? What did you do? What did you do? Do you have any idea what you did? Do you? You fucking bitch!“

June ist lächerlich unantastbar geworden

Als selbst Schreibende weiß ich, dass Helden immer bis zu einem gewissen Grad unantastbar sind. Das ist es schließlich, was sie zu Helden macht, und viele Geschichten ließen sich gar nicht erzählen, wenn der Autor immer in jeder Hinsicht realistisch bliebe. Aber was sich June so alles herausnehmen kann, ohne auch nur ansatzweise bestraft zu werden, ist langsam geradezu lächerlich.

Selbst wenn ich der Story zugute halten möchte, dass ihr ihre Rolle bei den Verhandlungen mit Kanada eine gewisse Immunität verleiht (sie wurde immerhin im Fernsehen gezeigt, da können sie sie nicht einfach verschwinden lassen), ergibt das mittlerweile einfach keinen Sinn mehr. Ofmatthew steckt Tante Lydia, dass June mithilfe einer Martha versucht hat, mit Hannah Kontakt aufzunehmen. Als Folge davon wird zwar die betreffende Martha hingerichtet, June aber noch nicht einmal zurechtgewiesen? Mit ziemlicher Sicherheit wird es auch keinerlei Konsequenzen haben, dass sie am Ende Ofmatthew körperlich angreift, wohlgemerkt eine schwangere (!) Magd.

Planloser Aktionismus

Auch Junes Handlungen kommen mir mehr und mehr wahllos vor. Wie konnte sie ernsthaft glauben, dass sie Hannah einfach so in der Schule besuchen kann? Und Eleanor da mit reinzuziehen, war noch dazu leichtsinnig, denn sie kennt ihren Zustand inzwischen recht gut. Und wieso June einfach so unbeaufsichtigt auf dem Gelände herumlaufen durfte, während Eleanor in der Schule war, hinterfrage ich am besten gar nicht erst.

Emily: „I killed a Wife. In the Colonies. I poisoned her. I’m not sorry.“
Moira: „I killed a Commander. I didn’t have to, he was asleep, but I did it anyway.“
Emily: „Look what they’ve turned us into.“
Moira: „You killed anybody since you’ve been out?“
Emily: „No. You?“
Moira: „Nope. So I think we’re good.“

Wieder eine neue Richtung für Serena

Am absurdesten ist vielleicht die Erkenntnis, dass Serena erneut eine 180-Grad-Wende vollführt hat. Sah es Anfang der Staffel noch so aus, als könnte sie zu einer Verbündeten des Widerstands werden, scheint ihr Washington ernsthaft zu Kopf gestiegen zu sein. So sehr gar, dass sie plötzlich wieder ganz verliebt in Fred ist? Auch das ergibt so überhaupt keinen Sinn – genauso wie der dekadente Ball, auf dem die beiden sexy Tango tanzen. (Wir erinnern uns, Gilead ist eine streng religiöse Gesellschaft, in der alles, was Spaß macht, verboten ist – inklusive Sex, der nicht der Fortpflanzung dient.)

Das Aufwiegen von Schuld

Der härteste Part aber ist das „Verhör“ von Emily. Ich weiß nicht, ob es intentional war, dass ihre sogenannten Verbrechen nicht einmal ansatzweise in Relation dazu gesetzt wurden, was Gilead im Gegenzug ihr angetan hat. Und zwar nicht im Affekt wie sie, sondern geplant und von ganz oben bestimmt.

Nachdenklich stimmen mich in dem Zusammenhang aber die Worte von Kommandant Winslow: „Once Nichole’s returned, we’d do our best to move the others along quickly.“ Stehen etwa inzwischen noch andere Flüchtlinge auf der Liste, um Gilead zurückgegeben zu werden? „Verbrecher“ wie Emily und Moira? Das können uns die Autoren nicht ernsthaft antun!

Kleine Beobachtungen

• Wir haben schon so viel gesehen, ich muss gestehen, es hat mich fast kaltgelassen, dass die Mägde nun offenbar auch Hängungen vornehmen müssen.
• Auch in Boston verbreitet sich unter den Mägden langsam die „Mode“ mit Mundschutz.
• Die Mackenzies sind nach dem Zwischenfall aus Boston weggezogen. So viel zu Junes völlig undurchdachten Handlungen – die Rettung ihrer Tochter ist damit in weite Ferne gerückt.

3 von 5 Tango tanzenden Bananen.

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