The Handmaid’s Tale | The last Ceremony (2×10)

„Be courageous and do not fear, for God is with you. He will strengthen you and comfort you. He will uphold you with his righteous hand.“


Als sich Junes Wehen als falscher Alarm erweisen, meinen Serena und Fred, ihre Magd daran erinnern zu müssen, wo ihr Platz ist. Spoiler!

I’ve been too lenient with you, too indulgent … I’ve spoiled you
Als bei June die Wehen einsetzen, beginnt im Waterford-Haushalt die Aufregung der Geburtszeremonie. Bald darauf allerdings stellt sich heraus, dass es nur falscher Alarm war, was June sichtlich freut, Serena und Fred allerdings daran erinnert, dass ihre Magd in diesem Punkt immer noch die Oberhand hat. Unter dem Vorwand, die Geburt auf natürliche Weise beschleunigen zu wollen, locken sie June ins gemeinsame Schlafzimmer und vergewaltigen sie einmal mehr.

Gewalt im Namen Gottes
Als wenn „The Handmaid’s Tale“ nicht schon unangenehm genug gewesen wäre, entblättert „The last Ceremony“ eine weitere Schicht von Grausamkeit, der die Mägde in Gilead, und June im Besonderen, ausgesetzt sind. Einfach alles an dem, was nach Junes Braxton-Hicks-Kontraktionen passiert, ist falsch. Serena nennt es natürlich, eine Hochschwangere zu vergewaltigen. In Wirklichkeit geht es nur darum, June zu zeigen, wer das Sagen hat. Denn wissenschaftlich ist längst erwiesen, dass Sex keine Geburt auslösen kann, wenn das Baby noch nicht so weit ist (was der Arzt mehr oder weniger genau so auch sagt). Falls es überhaupt einen Effekt hat, dann höchstens dadurch, dass sich die Frau entspannt – also das ganze Gegenteil von dem, was hier passiert. Allein das macht deutlich, dass es hier ausschließlich um eine Machtdemonstration geht. Und zwar eine, die in letzter Konsequenz sogar nach hinten losgehen könnte, denn Fred genießt die Situation viel zu offensichtlich, als dass Serena jetzt noch die Augen davor verschließen könnte.

„I shouldn’t have expected you to understand. You have no idea what it is to have a child of your own flesh and blood. And you never will.“

Im Hass vereint
June freilich fordert ihr Glück dieser Tage auch ein wenig zu sehr heraus. Das soll das Ganze nicht schönreden, ganz im Gegenteil, es existiert auf dieser Welt kein „Grund“ für eine Vergewaltigung. Aber June sollte mittlerweile wissen, wie die Waterfords auf Provokationen reagieren, insbesondere Serena, die zuvor schon bewiesen hat, dass sie ordentlich zutritt, wenn sie sich in die Ecke gedrängt fühlt. Und genau das passiert, als das ganze Brimborium abgeblasen werden muss und June wie eine zufriedene Königin im Bett sitzt. Als June dann auch noch den Fehler begeht, Fred erneut um einen Gefallen zu bitten, läuft das Fass schlicht über. In dem Moment kann sie die beiden nicht mehr gegeneinander ausspielen, stattdessen verbünden sie sich in ihrem Hass auf diese Frau, die glaubt, alle Fäden in der Hand zu haben. Es ist bezeichnend, dass Fred und Serena eigentlich nur noch das gemeinsam haben.

Kurioses Timing
Was danach passiert, bleibt für den Moment zumindest nebulös. Fühlt Fred sich wirklich schuldig und versucht sich bei June zu entschuldigen, indem er dieses Treffen mit Hannah arrangiert? Oder steckt doch ein größerer Plan dahinter? Das Timing ist zumindest seltsam, denn nach Serena hat nun auch June noch einmal betont, dass er nicht der Vater des Kindes ist. Hat er sich bei Serena vielleicht noch selbst einreden können, dass sie ihn nur verletzen wollte, ist das bei June eher unwahrscheinlich. Es besteht also durchaus die Möglichkeit, dass die Soldaten, die Nick am Ende fortbringen, auf seine Veranlassung hin gekommen sind. Andererseits, wieso haben sie dann nicht auch June geholt? Selbst wenn das Baby nicht seines ist, wird Fred wohl kaum den gesellschaftlichen Selbstmord begehen, es mitsamt der Magd aus dem Weg zu räumen. Was also ist da passiert? Und wo wird Nick hingebracht?

„I need you to do something for me, okay? Are you listening? Enjoy your life. And love your parents. And you do whatever they tell you, okay? Because I need you to be careful and I need you to keep yourself safe.“

Ein Wiedersehen mit bitterem Beigeschmack
Zum Schluss müssen wir aber auch über das herzzerreißende Wiedersehen zwischen June und ihrer Tochter Hannah (jetzt Agnes) sprechen. Das war fast noch schlimmer mitanzusehen als die Vergewaltigung. Hannah, die genug von Gilead versteht, um zu wissen, dass ihre Mutter jetzt eine Magd ist und ihr Baby nicht wird behalten können, macht ihr dennoch Vorwürfe, weil sie „nicht hartnäckig genug“ nach ihr gesucht hat. Der Satz, der in dem Zusammenhang am meisten wehtat, war ihr: „It’s okay, I have new parents now.“ Und June tut das in dieser Situation einzig Richtige: Sie schluckt ihre eigenen Gefühle hinunter und sagt Hannah stattdessen, dass sie ihre neue Eltern lieben und glücklich werden soll. Es klingt wie ein endgültiger Abschied, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass June sie jemals aufgeben wird.

Kleine Beobachtungen
• Die Anfangsszene, als der Kommandant, bei dem Emily ist, nach der Zeremonie umkippt und sie ihm noch einen beherzten Tritt in die Eier verpasst, drückt die Gefühlslage der Mägde besser aus als alles andere.
• Eden knutscht mit Isaac und Nick macht es noch nicht mal was aus. Was für Eden vermutlich schlimmer ist, als wenn er sie als Ehebrecherin anprangern würde.

5 von 5 Bananen im Schnee.

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