Star Trek: Discovery | Point of Light (2×03)

„Spock speaks highly of you, Captain Pike. Now my daughter does, too, so I know I’ve come to the right people.“


Der fragile Frieden im Klingonischen Imperium beginnt zu bröckeln. Unterdessen versuchen Michael und Amanda herauszufinden, was mit Spock passiert ist. Spoiler!

You didn’t betray your friend, Captain, you followed protocol

Michaels Ziehmutter Amanda besucht die Discovery und berichtet, dass sie Spock in der psychiatrischen Anstalt besuchen wollte, aber nicht zu ihm gelassen wurde. Auf Nachfrage von Pike erfahren sie, dass Spock des dreifachen Mordes beschuldigt wird und sich derzeit auf der Flucht befindet. Derweil kündigen sich auch im Klingonischen Imperium Unruhen an, denn L’Rells Kanzlerschaft steht auf tönernen Füßen. Als Kol-Sha versucht, sie und Ash Tyler zu töten, greift Sektion 31 ein – in Gestalt von Imperator Georgiou.

Viel angerissen, nichts beendet

„Point of Light“ ein chaotisches Durcheinander zu nennen, wäre vermutlich noch höflich ausgedrückt. Die Folge leidet unter vielen der Probleme, die schon die erste Staffel kennzeichneten: Es gibt keinen kohärenten Handlungsbogen, aber jede Menge Plots, die wenig bis gar nichts miteinander zu tun haben und am Ende nicht aufgelöst werden. Das ist zwar irgendwie trotzdem recht kurzweilig, lässt einen dann aber doch unbefriedigt zurück.

Pike: „Was she this bossy as a kid?“
Amanda: „On Vulcan, we call it persistent and yes, she was. She learned that from me.“

Mama L’Rell wird’s schon richten

Beginnen wir mit dem Teil, der noch am ehesten eine geschlossene Geschichte erzählt: L’Rells Versuch, das Imperium zusammenzuhalten. Es ist viel passiert, seit wir die Klingonen zuletzt gesehen haben, und damit meine ich nicht nur die neuen Haartrends. L’Rell hat die rivalisierenden Häuser unter ihrer Herrschaft vereinigt, doch freilich nur durch Erpressung, und so überrascht es kaum, dass hinter ihrem Rücken fleißig intrigiert wird.

Als wäre es nicht schon genug, dass L’Rell einen vermeintlichen Menschen zu ihrer rechten Hand gemacht hat, taucht mit ihrem und Voqs Sohn praktisch aus dem Nichts noch ein weiteres Druckmittel auf. Machen wir uns nichts vor, L’Rell ist nicht besonders gut in ihrem Job, und das merkt schließlich sogar die Föderation.

Doch Georgiou rettet den Tag, und das ist das eigentlich Traurige an der Sache: L’Rell ist weiter nichts als eine Marionette. Im Grunde spiegelt sich das auch darin wider, dass sie von ihren Untertanen nicht mehr Kanzlerin genannt werden will, sondern Mutter. Sie versteht sich selbst nicht als Herrscherin, als jemand, der Verantwortung für die Zukunft der Klingonen übernimmt. Sie möchte eigentlich nur, dass sich alle lieb haben.

Eine Kindheit ohne Liebe

Mehr von Amanda zu sehen, war definitiv eines der Highlights der Folge, denn Mia Kirshner ist einfach großartig in der Rolle. Durch sie erfahren wir auch Näheres über Spocks Kindheit, die geradezu schizophren war. Weil Sarek wollte, dass sein Sohn als vollwertiger Vulkanier erzogen wird, durfte Amanda ihm gegenüber keine Gefühle zeigen. Doch Spock ist eben nicht nur Vulkanier, sondern auch zur Hälfte Mensch, und zu sehen, wie Amanda all die Liebe, die eigentlich ihm hätte gelten sollen, Michael gegeben hat, dürfte ein wichtiger Grund für seine Probleme sein. Freilich erfahren wir noch immer nicht, was Michael getan hat, um diesen anscheinend unüberwindbaren Keil zwischen sich und Spock zu treiben.

Wie all das mit den sieben Signalen oder sogar dem roten Engel zusammenhängt, bleibt vorerst ein Mysterium. Schon beim letzten Mal haben wir erfahren, dass Spock von den Signalen schon wusste, bevor sie überhaupt aufgetaucht sind. Nun stellt sich heraus, dass ihn auch der Engel bereits seit seiner Kindheit begleitet. Was das zu bedeuten haben könnte, vermag ich im Augenblick aber noch nicht einmal zu spekulieren.

Stamets: „Just as I suspected, you are hosting a eukaryotic organism.“
Tilly: „A fungus?“
Stamets: „Obviously multicellular since it has … opinions.“

Per Anhalter aus dem Spiegeluniversum

Immerhin mit einer Vorhersage lag ich bereits richtig: Tillys halluzinierte Freundin May ist in der Tat eine Nebenwirkung der Spore, die in „What’s Past is Prologue“ auf ihr gelandet ist. Offenbar hat die sich in der Zwischenzeit zu einem waschechten Pilz weiterentwickelt, der nun unter großen Anstrengungen aus ihr extrahiert wird. Ich habe allerdings so ein Gefühl, dass auch diese Geschichte gerade erst begonnen hat, denn noch ist unklar, warum May Stamets für den Captain der Discovery hält und Angst vor ihm hat.

Die nicht ganz so geheime Geheimorganisation

Eine letzte Sache möchte ich noch ansprechen: Sektion 31. Ich bin etwas unschlüssig, was ich davon halten soll, dass man die nun auch noch bei „Star Trek: Discovery“ einführen muss. Zum einen, weil ich das Gefühl habe, dass die Autoren ohnehin schon wieder mehr Plots jonglieren, als sie überblicken können. Zum anderen, weil ich mich noch gut daran erinnern kann, welch ein Geheimnis damals bei „Star Trek: Deep Space Nine“ um Sektion 31 gemacht wurde. Die Abteilung war komplett unabhängig von der Sternenflotte, nicht einmal die obersten Anführer wussten von ihrer Existenz. Plötzlich aber scheint Sektion 31 zum Basiswissen der Föderation zu gehören und agiert völlig offen.

Notes of Light

• Schöne Kontinuität, als Tyler den Klingonen den Prototyp des bekannten Bird of Prey vorstellt.
• Die Szene, in der Michael und Tyler per Hologramm miteinander reden, war wunderschön inszeniert. Im wahrsten Sinne des Wortes zwei Welten, die aufeinanderprallen.
• Und sorry, aber das klingonische Baby war total gruselig.

3 von 5 haarigen Bananen.

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